Die extreme Rechte in Halle/S. und Umgebung

Die extreme Rechte in Halle/S. und Umgebung

Der folgende Bericht soll dir einen kleinen Überblick über die Neonaziszene in Halle und Umgebung verschaffen. Dabei sollen Strukturen und Aktivitäten rechter Gruppen offen gelegt werden, wobei wir jedoch keine Vollständigkeit garantieren können.
(Stand 12. Juni 2008)

Junge Nationaldemokraten (JN)

Am 12.11.2006 wurde der JN-Stützpunkt Halle aus dem Personenumfeld des Nationalen Beobachters Halle gegründet. Vorsitzender der Jugendorganisation der NPD wurde Matthias Bady. Parallel dazu betreibt Bady mit dem Nationalen Beobachter eine Internetplattform, die vor einigen Jahren für die Vernetzung in der Region Sachsen/ Sachsen-Anhalt/ Thüringen eine wichtige Rolle spielte. Mittlerweile gibt es allerdings unter anderem mit dem Freien Netz und Nationale Sozialisten – Bundesweite Aktion zahlreiche Konkurrenzprojekte. Im Umfeld der JN Halle bewegen sich ca. 15 Personen, welche seit den Demonstrationen gegen den Irakkrieg 2003 in Halle aktiv sind. Als Ausgangspunkt ihrer Aktionen galt bis April diesen Jahres die Delitzscherstraße 40, ein Wohnkomplex im Osten von Halle. Dort befand sich im Hinterhaus eine Wohngemeinschaft von stadtbekannten Neonazis. Außerdem diente die Delitzscherstraße 40 seit 2006 als Meldeadresse des extrem rechten Versandes „Mitteldeutscher-Musikversand“ welcher von Marcus Großmann betrieben wurde. Mehrmals waren in den vergangenen Jahren Bady, Großmann und die Delitzscherstraße 40 von Razzien unter anderem wegen Gewaltdarstellungen und Volksverhetzung betroffen. Großmann war, bis zu seinem Umzug nach Sotterhausen einer der führenden Aktivisten der Neonaziszene in Halle, welcher unter anderem mehrfach wegen Körperverletzung angeklagt ist. Er trat in der Vergangenheit, mit anderen halleschen JN-Aktivisten immer wieder im Zusammenhang mit der neonazistischen Securitygruppe Selbstschutz Sachsen-Anhalt(1) in Erscheinung. Weiter versuchten sie sich als Ordner auch auf überregionalen Demonstrationen zu profilieren. In den Jahren 2005 bis 2007 trat die Kameradschaft mit zahlreichen Aktionen an die hallesche Öffentlichkeit. Die halleschen Aktivisten pflegen gute Kontakte in umliegenden Orten, wie Merseburg, Leuna und Bad Lauchstädt. Ende 2007 wurde es etwas ruhiger um die halleschen Neonazis. Sie traten auf Veranstaltungen und Demonstrationen nur noch vereinzelt und versprengt in Erscheinung. Ihre Aktionsvielfalt beschränkte sich zusehends auf Propagandaaktionen, wie Sprühereien oder das Anbringen von Kacheln mit dem JN- Logo. Die letzten wahrnehmbaren Aktivitäten der halleschen Neonazis waren zum einen eine Flyeraktion in Neustadt im Vorfeld des 8. Mai, sowie das Entfernen von Plakaten auf denen stand: „8. Mai 1945 – Danke!“ und das verkleben von Aufklebern an S-Bahnstationen, Briefkästen und Straßenlaternen. Nach internen Streitereien verlies Großmann Halle in Richtung Sotterhausen (bei Sangerhausen), wo er auf dem Grundstück von Enrico Marx seinen Versand unter dem Namen „Zum Thingplatz“ neu aufbaut. Wenig später konnte man verschiedenen NPD-Internetseiten entnehmen, dass Großmann in den Landesvorstand der NPD Sachsen-Anhalt gewählt worden ist und die Aufgabe des Landesordnungsleiters übernommen hat. Außerdem wurde er im Landkreis Mansfeld-Südharz im NPD Kreisvorstand als Jugend- und Sicherheitsbeauftragter benannt. Ein weiterer Neonazi aus dem halleschen Umfeld ist Thomas Richter. Er betreibt die Internetplattform www.nd-b.com (Nationaler Demonstrationsbeobachter). Richter fotografiert seit Jahren Neonazidemonstrationen, sowie antifaschistische Proteste und steht in Kontakt mit den halleschen JN-Aktivisten und der überregionalen Neonaziszene.

Im Zusammenhang mit der extremen Rechten muss auch die Hooligangemeinschaft des Halleschen Fußballclubs „Saalefront“ genannt werden. Die Hooligans der Saalefront machen nicht nur durch antisemitische oder rassistische Fangesänge, wie zuletzt am 29.03.2008 bei dem Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena II auf sich aufmerksam. So findet man im Bildarchiv des Saalefrontinternetportals Personen wieder, welche regelmäßig auf extrem rechten Veranstaltungen und Demonstrationen anzutreffen sind. http://www.saalefront.de/Portal/jgs_galerie_userbilder.php?kategorie=125&bildid=282&sid

(…ein Gruppenfoto von Saalefronthooligans, hinten rechts steht ein Neonazi aus dem halleschen JN Umfeld)

1.

Der Selbstschutz Sachsen-Anhalt kurz „SS-SA“ (selbstgegebene Abkürzung) nennt sich mittlerweile „Selbstschutz Deutschland“, aufgrund von Ablegern in anderen Bundesländern.

Nationaldemokratische Partei Deutschland (NPD)

Die NPD in Halle besteht aus ca. 15 Personen. Vorsitzender des NPD Kreisverbands Halle/S. ist seit Anfang des Jahres der zugezogene Neonazi Robert Klug. Im Stadtrat sitzt für die NPD seit 2004 Andrea Machleid. Abgesehen davon, dass sie sich in der Vergangenheit (im Namen ihrer Partei) schon dafür interessierte, wie aktiv die so genannte linksextreme Szene ist, welche Straftaten sie verübt und was die Stadt dagegen unternimmt, spielt sie in der stadtpolitischen Landschaft keine Rolle. Bis auf Klug ist die NPD Halle bei überregionalen Neonaziveranstaltungen, seien es Aufmärsche, Mahnwachen oder Kundgebungen nicht vertreten. Stattdessen nahm Machleid mit Hilfe ihres Stadtratsmitgliedsstatus an der städtischen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im November 2007 auf dem Gertraudenfriedhof in Halle teil. Am 13. Februar diesen Jahres meldet der NPD Kreisverband Halle auf dem Markplatz eine Mahnwache zur Bombardierung Dresdens an. An dieser Mahnwache beteiligten sich 16 Personen aus dem Umfeld der NPD und JN.

Neonazis an der MLU

Mittlerweile gibt es eine Reihe von Aktivisten der rechtsextremen NPD- und Kameradschaftsszene, die an der halleschen Martin-Luther-Universität meist unerkannt und unbehelligt ihre Hochschulabschlüsse anstreben. Auch wenn sie sich direkt an der Uni aus Angst vor Unbequemlichkeiten mit ihren politischen Ansichten eher zurückhalten, so sind sie außerhalb der Uni umso aktiver. Das populärste Beispiel ist der Wernigeröder JN-Funktionär und Kreistagsabgeordnete Michael Schäfer, der hier in Halle Politik studiert, während er als Redner bei Aufmärschen und überregionalen Veranstaltungen vor der gewaltbereiten Neonaziszene auftritt. Als Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten und Amtsleiter für Politik ist er darüber hinaus maßgeblich an der Entwicklung von Strategien zur Umsetzung eines „Nationalen Sozialismus“ beteiligt. Ein weiteres Bundesvorstandsmitglied der JN, welches in Halle Soziologie und Geschichte studiert, ist der Neonazi Erik Schulze. Dieser hält sich weitestgehend bedeckt und gehört zu den unauffälligsten Neonazis an der MLU. Im Gegensatz dazu ist der Landwirtschaftsstudent Hendrik Heller aus Bad Salzungen in seiner Heimatregion kein Unbekannter. Als NPD-Vorsitzender des thüringischen Wartburgkreises und Mitglied im Landesvorstand der NPD- Thüringen mit den Referaten Umwelt- und Naturschutz, sowie Landesschulungsleiter arbeitet er maßgeblich mit am Aufbau einer starken Neonaziszene in Thüringen. Der aus Chemnitz stammende Burschenschaftler Felix Menzel versucht über den Betrieb einer neurechten Internetplattform und durch eine von ihm mitinitiierte Schülerburschenschaft mit zahlreichen JN-Mitgliedern eine völkisch-rechte Jugendarbeit zu machen, schreibt für die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit und studiert nebenbei an der MLU Medienkommunikationswissenschaften, Politik und BWL.

Anfang April diesen Jahres gründete sich in Halle die extrem rechte Studentengruppe „Freies Denken“. Diese Gruppe ist der hallesche Ableger des im JN-Bundesvorstand angesiedelten Nationalen Bildungskreises (NBK). Auch wenn sich der NBK nur allzu gerne als die intellektuelle Speerspitze der nationalen Bewegung sehen würde, ist von den AktivistInnen in Halle bisher nichts zu bemerken gewesen.

Nicht zu vergessen ist die Halle-Leobener-Burschenschaft Germania. Die HLB-Germania ist eine extrem rechte Studentenverbindung. Sie wurde erstmals 1882 gegründet. Im Jahre 2006 zählte sie einen Aktivenkreis von 9 Burschen, 3 Füxen und 72 Alte Herren. Ihr Verbindungshaus befindet sich in der Albert-Schweizerstraße hier in Halle. In der Vergangenheit fanden dort Veranstaltungen wie das Mitteldeutsche Collogium mit extrem rechten Referenten statt. Die Nähe zur militanten Neonaziszene zeigte sich schon bei der Gründungsveranstaltung 1999, als der Selbstschutz Sachsen-Anhalt die Ordner stellte. Einer der alten Herren der HLB-Germania verteidigt regelmäßig als Anwalt bekannte Straftäter aus der Neonaziszene vor Gericht. Die Burschenschaft gehört zu den wenigen Verbindungen in Deutschland, welche noch traditionell fechten. Mit Werbeaktionen zu Hochschulinformationstagen versuchen sie neue Mitglieder anzuwerben. Am 02.11.2007 veranstaltete die Burschenschaft ein öffentlich umworbenes „Oktoberfest“ auf dem Gelände ihres Verbindungshauses. Sie bezeichnen sich selbst als konservativ, freiheitlich und national.

Deshalb:

Nazis bekämpfen! Egal wo! Egal wann!

Kein Raum für Rassisten, Antisemiten und Deutschtümelei!

Let’s fight white pride!!!