Vortrag: Vorsprung durch Technik. Über die Piratenpartei.

Vortrag und Diskussion mit Sören Pünjer (Redaktion Bahamas, Berlin)
Dienstag, 17. April 2012, 19:00 Uhr

Die Piratenpartei Halle ist gegen die Schließung des Kinder-und
Jugendtheaters Thalia. Wissen denn die Hallenser Piraten nicht, dass
dort seit Jahren bereits Kinder darauf getrimmt werden, ihre
vermeintliche oder wirkliche Kreativität als ihr geistiges Eigentum zu
betrachten? Wissen sie nicht, dass dort jede Kulisse, jede
Dramaturgie, jede Regie und jedes Textbuch dem Schutze des
Urheberrechtes unterliegen? Man kann wohl annehmen: Sie wissen es,
doch es ist ihnen egal. Denn Urheberrecht und geistiges Eigentum
werden für die Piraten nur in der digitalen Welt zum Problem. Tauchte
dort das Original-Skript einer Thalia-Inszenierung auf, dann würde
sich in der Logik der Piraten jeder zum Feind der Freiheit und zum
Freund von Big Brother machen, der darauf beharrt, dass auch in der
digitalen Welt Text und Idee als geistiges Eigentum zu schützen sind.

Auf dieser Logik, besser: Unlogik gründet nicht nur der Erfolg der
Piratenpartei, sondern auch der massenhafte Protest gegen das
Anti-Produktpiraterie-Abkommen Acta. Mit der Behauptung, das Netz wäre
ein exterritoriales Medium, nur weil es eine neue – natürlich
„revolutionäre“, denn drunter macht man es nicht – Technologie sei, an
die man obsessiv und kritiklos zu glauben habe, rennt die
Piratenpartei allerorts offene Türen ein. Ihr Transparenz-Fetisch
korrespondiert dabei hervorragend mit dem Phänomen des Wutbürgers,
dessen bösartige Faktenresistenz sich nicht nur in Stuttgart in der
kollektiven Schmährede vom „Lügenpack“ ausdrückt.

Kein Wort wird man von den Piraten darüber vernehmen, dass die
digitale Welt jeden kritischen Gedanken in Blogger- und Foren-Meinung
auflöst, längst mehr ist als der Vorbote einer zunehmend autistisch
sich gebärdenden Gesellschaft und als einzig zulässige Denkform des
Menschen die der Powerpointpräsention und des Twitterns zum Ideal
macht.

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle.

Ausstellung „Blackbox Abschiebung“

vom 13. April bis zum 3. Mai 2012 im Thalia Theater (Halle/Saale – Kardinal-Albrecht-Straße 6, 06108 Halle)

„Welche Umstände, Zufälle, welche Entscheidungen und Schicksale haben Zuwanderer_innen nach Deutschland gebracht? Welche Erlebnisse prägen ihre Wahrnehmung des Landes, in dem sie letztendlich gelandet sind und vielleicht doch nicht bleiben können? Die jetzt erstmals in Sachsen-Anhalt gezeigte Ausstellung „Blackbox Abschiebung“ bringt den Besucher_innen die Lebenssituation von Migrant_innen und Flüchtlingen näher und nimmt zugleich Bezug zu Diskursen über die Asylpraxis und eine „multikulturelle Gesellschaft“. Im Mittelpunkt der von Miteinander e.V. in Kooperation mit dem Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt und no lager halle gezeigten Ausstellung stehen neun Personen, die von Abschiebung bedroht sind oder abgeschoben wurden und vor der Kamera ihre persönliche Geschichte erzählen. Konzipiert von dem Kölner Dokumentarfilmer Ralf Jesse, tourt die Wanderausstellung seit einem Jahr durch Deutschland. In Halle (Saale) wird sie – begleitet von Veranstaltungen und Filmen rund um das Thema Migration und Abschiebung“

Auszug aus dem Newsletter Nr. 37 der Mobilen Beratung für Opfer rechter Gewalt mit dem Schwerpunktthema: „Betroffene vor Ort stärken“