15. Oktober
19 Uhr
Melanchthonianum, Uniplatz

Die späte Ästhetik Georg Lukács’ Rüdiger Dannemann:

Während das philosophische und ästhetische Frühwerk von Georg Lukács („Die Seele und die Formen“ und „Die Theorie des Romans“) als epochemachende Leistung Anerkennung findet (etwa bei Adorno oder Bloch oder Agnes Heller und Judith Butler), scheiden sich an seinem Spätwerk die Geister. Während einige der Rezipienten „Die Eigenart des Ästhetischen“ (1963) als erste marxistische Ästhetik von Rang betrachten (etwa Nicolas Tertulian in Frankreich, Guido Oldrini in Italien oder Georg Bollenbeck, Hans Heinz Holz und Thomas Metscher hierzulande), stößt das Werk, das selbst Gegner als „genialen Irrtum (Vladimir Karbusicky) einstufen, beim Mainstream der hiesigen Literaturwissenschaftler auf Ablehnung bzw. Desinteresse. Es lässt sich aber zeigen, dass Lukács‘ ästhetischer Ansatz ähnlich wie seine Verdinglichungstheorie durchaus aktuelle Relevanz besitzt. In meinem Vortrag möchte ich darauf eingehen, wie Lukács‘ ästhetischer Ansatz (Sziklai spricht von einer „kommunistischen Ästhetik“) in den 1930er Jahren entstanden ist und welche Reaktionen seine kritischen Einmischungen provozierten. An den diversen Lukács-Debatten beteiligten sich immerhin Intellektuelle von Ruf wie Adorno, Bloch, Becher, Brecht, Bürger, Döblin, Gallas, Thomas Mann, Mittenzwei, Anna Seghers u.v.a. Ein Symptom dafür, welchen Stellenwert Lukács‘ ästhetischer Diskurs im 20. Jahrhundert besaß. Es ist eine offene Frage, wie Lukács‘ Werk in eine kritische Literaturwissenschaft des 21. Jahrhunderts einzuordnen ist und ob eine Synthese werk- und rezeptionszentrischer Ästhetiken (Almasi) möglich ist. Zur Diskussion steht die Frage, ob eine kritisch-engagierte Literaturwissenschaft, die diesen Namen verdient, auf die Impulse und Intuitionen der großen Ästhetik Lukács‘ verzichten kann bzw. verzichten sollte.

Eine Veranstltung des AK Kritischen Intervention

Weitere Vorträge im Wintersemester im Rahmen des ALV Halle

26.November * 19 Uhr * Melanchthonianum
Samuel Salzborn: Christlicher Judenhass. Monotheismus, Christentum und die Genese des Antisemitismus

10.Dezember * 19 Uhr * Melanchthonianum
Robert Schnepf: Religionskritik bei Hegel, Feuerbach und Marx

Domino Vorträge – Offene Vortragsreihe zu gesellschaftskritischen Themen

Kulturindustrie und Streetart
Gespräch mit Helene F.,
Donnerstag 17. Oktober
20:00 Uhr
VL Ludwigstrasse

Das Kapitel „Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug” der 1944 erstveröffentlichten Dialektik der Aufklärung befasst sich mit der zeitgenössischen Produktion und Rezeption von Kulturgütern, bzw. genauer: mit den Bedingungen ebendieser Tätigkeiten. Obwohl, oder gerade weil der historische Kontext der Autoren für den Inhalt des Kulturindustriekapitels eine entscheidende Rolle spielt, sind Horkheimers und Adornos Thesen auch heute in der kritischen Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur nicht wegzudenken.

Seit dem Zeitpunkt der Erstveröffentlichung der Dialektik der Aufklärung scheint sich vieles geändert zu haben. Den neuen Entwicklungen zum Trotz, lassen sich die im Kulturindustriekapitel angestellten Beobachtungen und Erklärungen für ebendiese herauslösen und können auf aktuelle Entwicklungen und Begebenheiten angewandt werden. Dieser Vortrag möchte diesen Versuch in Bezug auf die Praxis der Streetart angehen. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob sie sich, der Kulturindustriethese entsprechend, der bestehenden Ordnung fügt und die Kulturindustrie auf diese Weise mitkonstituiert, oder ob sie den Mainstream in Frage stellt und es vermag, dialektisch auf die gesellschaftlichen Zwänge hinzuweisen.

www.dominovortraege.wordpress.com